maus.. /
> Ich ging bislang davon aus, dass die Verheiratung durch die Sippe ein
> durchgehendes Muster ist, nicht nur in landwirtschaftlich
> ausgerichteten, patriarchalischen Gesellschaften, sondern auch in
Arrangierte Heirat aus wirtschaftlichen Gründen ist weltweit
verbreitet. Eine arrangierte Heirat, in der beide füreinander
bestimmte Partner zufrieden mit der Wahl sind (es ist übrigens nicht
leicht, hierzu die richtigen Worte dafür zu finden, wenn man kein
Ethnologe ist *g*), kann ich mir gut vorstellen. Welche
Wahlmöglichkeiten bestehen schon? Wie entsteht dann Zwang, wenn es
keine Wahlmöglichkeiten gibt, oder nur sehr eingeschränkte, die zu
wählen gesellschaftlichen Gesichtsverust oder die Verstossung nach
sich ziehen würde… “Entwicklung der Kultur der Braut- oder
Bräutigamwerbung sowie Hochzeitszeremonien etc. auf der ganzen Welt.
Von vorkolonialem bis ins neoglobalisierte Zeitalter”, das wär mal
ein Buchtitel, für den ich schon mal bis zu 50 Euro hinlegen würde,
natürlich nur, wenn es strikt systemkritisch sein wollte
> nomadisch lebenden, wo die verschiedenen Stämme durch Ehen
> miteinander verknüpft werden. Sie haben mithin nur einen
> gesellschaftlichen Sinn, während die Individualität, wie z.B. im
> Minnesang, immer durch einen Dritten artikuliert wird, z.B. den
> Geliebten der Dame, mit allen Konsequenzen und Heimlichtuereien. Das
Der Minnesang war meines Wissens streng ritualisiert. Ich habe
irgendwann mal ein Buch darüber gelesen - weiß nicht mehr, wie es
hieß, von wem es war. Diese stilisierte Liebe bzw. der Minnedienst an
sich war das Ereignis, nicht die Individualität der Besungenen oder
des Besingenden, erinnert sich mir als weiteres.
> Muster löst sich in der Neuzeit auf. Es entsteht der Bürger und seine
> Innerlichkeit, der sich als stiller Leser bildet. Das Innenleben wird
> gebildet, das Gewissen geprüft, jede Entscheidung mit einem selbst
> abgeglichen. In dem Augenblick, wo das autopoetische Individuum
> entstanden ist ( ein operational geschlossenes System ), verschwindet
> seine Vergangenheit in der “Dunkelheit des Mittelalters”. Der
> Kreislauf hat seine Ursache in sich selbst. Jetzt erst, entsteht das
> Problem, eine Vermittlung zwischen autonomen Menschen und der
> Gesellschaft herzustellen. Traditionen werden radikal in Frage
> gestellt, der rationale, bürgerliche Vertrag nimmt noch eine
> Mittelposition ein, bis auch dieser erodiert, um dem “absoluten Ich”
> ( J.G. Fichte ) aus dem Magma seiner Emotionalität, dem Zufall seiner
> Begegnungen und Erfahrungen, einen individuellen Lebensentwurf
> generieren zu lassen. Dieser wiederum unterliegt von nun an den
> gesellschaftlichen Moden, den Bildern der Massenmedien, den Männer-
> und Frauenzeitschriften, den Traumfabriken und der nicht immer
> glücklichen Suche nach dem eigenen Stil und dem eigenen Willen.
Das ist mal wieder ein typischer Tloen, in sich geschlossen; ich kann
dem nichts entgegensetzen… einigem weiter unten ebenfalls nicht,
ich blende das deswegen mal eben aus…
/ … /
> Wer weiß? Ich stelle mir einen Weisen aus dem Morgenlande vor, der
> eines Tages mit einer jungen Frau zu mir kommt und sagt: “Das hier
> Tloen, das ist Deine Frau, wir haben die beste Wahl für Dich
> getroffen, Du selbst hast keine Wahl!” Vermutlich würde ich eine
> Weile darüber grübeln, ob ich hier betrogen werden soll und der Kerl
> möglicherweise Mädchenhandel betreibt und einige prüfende Fragen
> stellen. Wenn er sich tatsächlich als der Weise aus dem Morgenland
> herausstellte, dann würde ich wohl erkennen, dass ich keine Wahl habe
> und ich damit sogleich sowohl von mir selbst befreit bin, wie auch
> von jeder Aufforderung, mir Illusionen zu machen oder mich gar als
> etwas Besonderes zu positionieren. Es ist nur ein frühlingshaftes,
> biologisches und gesellschaftliches Ritual, in dass ich nicht durch
> meine Persönlichkeit oder durch irgendwelche Vorzüge einbezogen bin
> bzw. abgestoßen werde, sondern allein durch meine Singularität. Warum
> aber kommt er gerade zu mir, welches Interesse treibt ihn an?
> Vielleicht ein Nietzscheanisches, d.h. das der Bejahung der
> Widerkehr. Irgendwann soll sich der Zyklus vollenden und ich seine
> Rolle bekräftigen, indem ich sie aus Erfahrung gutheiße und
> meinerseits einnehme.
>
> Tloen
Der Witz ist, es braucht kein Weiser von irgendwoher kommen und Dir
die Braut mitbringen. Eines Tages steht sie vor Dir, und Du vor ihr,
kein Weiser weit und breit, der euch zu Hilfe eilen könnte. Du hast
keine Wahl, gaukelt Dir Deine Chemie hoffentlich überzeugend vor.
Dabei gerät sie in Wallung, und der Holden gegenüber die ihrige im
besten Falle auch. Vorsichtshalber und der Schicklichkeit zuliebe
wirst Du Dir die selben Fragen stellen wie in der von Dir
beschriebenen Situation: Warum ich? Warum grad jetzt? Wo bin ich? Wer
macht das?
Aber vielleicht auch erst nach dem ersten Streit
Greetz,
Wednesday
June 19, 2008