Grafik ist wichtig, sie ist allerdings auch nicht ausreichend um ein Spiel zu ‘machen’. Supergrafik aber lausiges Gameplay geht nicht, gutes Gameplay mit lausiger Grafik ist da eher zu verschmerzen. Aber: Bestimmte Genres profitieren nun einmal sehr von guter Grafik. Und wenn dann das Gameplay stimmt, ist das Endresultat viel besser als wenn das ansonsten gleiche Spiel schlechtere Grafik hätte. Das gilt natürlich eher für ‘Realismus-Spiele’, bei der bessere Grafik einfach mehr ‘Athmo’ aufkommen läßt. ‘Athmo’ macht nun mal einen großen Teil der Spiel-’Erfahrung’ aus. Allerdings braucht es dazu natürlich auch Designer, die mit den Möglichkeiten umgehen können und nicht nur auf puren ‘Eye-Candy’ setzten, der sich schnell abnutzt und auch leicht übersättigt. Das gab es schon bei alten Spielen . Ich erinnere mich da z.B. an die Ultima Underworld-Spiele, bei denen die Designer aus den damaligen Möglichkeiten wohl das Maximale herausgeholt haben. In einer ‘2D-drauf-Ansicht’ wäre das Spiel längst nicht das gewesen, was es in 3D war. Ähnliches galt für das teils schon klaustrophobische ‘System Shock’. Nicht weil die Grafik ‘hübsch’ war, sondern weil sie es ermöglichte, sich in das Spiel hineinzuversetzen anstatt einfach nur eine Spielfigur herumzuschieben. Bei einem Spiel kommt es (wie bei jeder Form von Unterhaltung) primär darauf an, was für Gefühle das Spiel im Spieler auslöst. Eigentlich das gleiche bei Küchengeräten, Staubsaugern, diversen Sachen wie Schulränzen usw. Wenn ein Schulranzen wunderschön aussieht, aber den Rücken kaputt macht, wird man nicht mit dem rumlaufen.
Das Auge ist aber für die meisten Leute das wichtigste Sinnesorgan und daher auch am besten geeignet das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Das ist auch der Grund, warum die meisten Leute Filme Hörspielen vorziehen (Bücher sind weniger vergleichbar haben sehr viel mehr ‘Platz’ und benutzen diesen um Bilder im Kopf entstehen zu lassen - dafür braucht ein Buch teils mehrere Tage während ein Film nur 2 Std hat). Nun ist dieser Effekt im Prinzip bei den heutigen Möglichkeiten einfacher zu erreichen, aber die besserern Möglichkeiten erzeugen auch höhere Ansprüche.
Je besser die Grafik allgemein wird, desto mehr fallen kleine Schnitzer auf und ruinieren den Effekt der ‘Immersion’. Da nützen dann auch ausgefeilte Shader wenig, wenn z.B. die Animation der Figuren unnatürlich wirkt oder der Boden in einer Höhle einfach nur eine Fläche mit einer hochauflösenden Stein-Textur ist.
Neue Ideen sind leider leider rar. Aber dieses Nintendogs z.B., bindet den Touchscreen genial ein, verkauft sich wie Sau. Ist nicht mein Fall, aber dafür der meiner Freundin. Ganz klar sieht man hier übrigens bei Frauen eine Interessenverschiebung - früher noch genäht/gestrickt an der Nähmaschine, Babylock heute am Zocken, Nintendo. Das wäre eigentlich vor ein paar Jahren nicht vorstellbar gewesen. Anderes Beispiel Eye-Toy. Jetzt an den kalten Wintermonaten wird das wieder rausgekramt wenn man keinen Bock hat wegzugehen. Dann werden schön die Kugeln in der Disco angeknipst, während man auf dem Laminat stylische Drehungen im Takt der Musik hinlegt
Die festgefahrenen Genres gehen mir auch auf den Geist, aber bei den Kosten traut sich keiner, was neues zu probieren. Nintendo macht es jetzt auf Hardwareebene, hoffentlich finden sich genug auf der Softwareseite, damit mal Leben und neue Impulse in die Industrie kommt.
Ich spiele seit geraumer Zeit sehr gerne Browsergames (wie Farmerama u.a.) und kann sagen das es richtig Spaß macht. Man braucht jetzt nicht umbedingt (wie bei manchen Browsergames üblich) Geld auszugeben um voranzukommen, denn man kann es auch so ganz gut schaffen ohne Hilfsmittel Langzeitmotivation in diesen Spielen zu erhalten. Diese Spiele kommen auch ohne massive Gewalt aus und die, die man sieht sind nicht Diskussionswürdig. Ich finde das Online Games sich viel zu schnell ausbreiten und es somit schwer wird nicht alles auf einmal auszuprobieren, denn dann kann man kein Spiel richtig ausspielen.
Zur Erinnerung. Ascaron, das ist die Firma, die mit Sacred vorgeführt hat, wie nahe man der Grenze zur Wirtschaftskriminalität kommen kann ohne sie zu überschreiten. Wo schwarze Schafe der Branche Betaversionen ins Regal stellen und ihre Kunden dann austesten lassen, da hat Ascaron eine frühe Alphaversion in die Schachtel gepackt, die das Prädikat “Industriemüll” verdient hätte. Wenn der Käufer das Spiel überhaupt installieren konnte, der Kopierschutz war kein geringes Hindesnis auf dem Weg dorthin, dann mußte er mit Bugs kämpfen, die das Spiel nahezu unspielbar machten. Und der Online-Modus dieses als Diablo2-Nachfolger gehypten Spiels war quasi nicht existent, und das obwohl er vorher groß beworben wurde und als Feature auf der Verpackung stand. Ascaron gab zwar im Wochenrythmus Patche für das Spiel raus, aber als es nach 4 Monaten immer noch nicht sauber lief, habe ich mich ausgeklinkt. Ich dachte ernsthaft, das Spiel könnte meinen Urlaub in Na’ama Bay ein bisschen versüßen, aber leider musste ich feststellen, dass jeder Mülleimer in Na’ama Bay interessanter war, als dieses Spiel (unten eine passende Seite). Das Ärgerliche ist, die Sache mit Sacred war anscheinend kein Einzelfall in der Firmengeschichte von Ascaron. Schon was ihre Wirtschaftssimulation “Die Patrizier” betraf, war das Internet voller Heulen und Zähneklappern. Nach dem Erscheinen von Sacred war es dann nur noch ein Meer der Tränen. Die Veröffentlichung von Sacred 2 halte ich jetzt nur noch für einen Scherz.

